Projekt Opelit:
Noch kein Modell von Brütsch erregte soviel Aufsehen wie die Mopetta. Die automobilistischen Gemüter gerieten darüber vollends ins Durcheinander. Auf der einen Seite krasse Ablehnung ("Verkehrsbehinderer'), auf der anderen Seite Begeisterung ("Volksmobil") Jetzt sprach man plötzlich von Brütschs Eifer, doch vom Ruhm allein konnte Brütsch nicht leben. Nachdem seine Moped-Eier fahrfertig waren, lud er sie im Sommer 1957 auf seinen Mercedes und reiste damit über Land. Auf dem Dach fanden drei, im Kofferraum zwei der bunten Eier Platz, und manche Lokalzeitung fand beliebten Stoff beim Aufkreuzen des Huckepack-Transports.
"Sind Sie an so etwas interessiert?" fragte Egon Brütsch damals auch den Frankfurter Opel-Grosshändler und Volksbenzin-Verkäufer Georg von Opel, Und ob der interessiert war: Im eigenen Parkhaus bewegte er die Mopetta hinauf und hinab und kam bald zu dem Schluss, Deutschland damit zu überschwemmen. Unter dem Namen "Opelit" sollte das Dreirad der dahinsiechenden Motorradfirma Horrex zu neuen Aufträgen verhelfen. 100000 Stuck wollte von Opel dort bauen lassen und innerhalb von vier Jahren verkaufen. Alles war schon recht weit gediehen, und abgesehen davon, dass von Opel auf verschiedenen Ausstellungen als Fahrzeugfabrikant debütierte, experimentierten die Horrex Techniker mit dem "Opelit".
Mit ihrer reichhaltigen Motorraderfahrung beschlossen sie, dem kleinen Fahrzeug eine neue Vorderrad- aufhängung zu geben. Doch dann stieg Georg von Opel wieder aus, Ob er durch den Prozess der Spatz- Gruppe misstrauisch geworden war, oder ob er plötzlich an den Marktchancen des Opelit zweifelte? Vielleicht war es auch der Preis des Moped-Autos, der von Monat zu Monat hohe, rutschte und schließlich bei 1045 Mark lag. Offiziell hieß es, von Opels Rechtsanwälte hätten festgestellt, dass der weitläufige Verwandte von Adam Opel rechtlich gar keine Autos bauen dürfe. Damit sass Egon Brütsch mit seinen zehn bunten Mopettas wieder allein in der Welt.