Das schwimmende Moped-Auto:
Mit seinen Zwergen stand Brütsch allein auf der IAA 1955, während einige Stände weiter Harald Friedrich seinen Spatz zeigte, Als die IFMA im Oktober 1956 näher rückte, bereitete Brütsch nicht nur seine prozessauslösende Kampfschrift gegen Harald Friedrich vor, sondern auch ein neues Gefährt, das als "Moped-Auto" die Welt verändern sollte. Mit einem 50-ccm-Motor, der Steuer- und Versicherungsfrei war wollte Brütsch das kleinste Auto der Welt bauen. Buchstäblich über Nacht schuf er eine neue einsitzige Kunststoff-Karosserie, stellte sie im Garten auf und lehnte Räder daran. Dann setzte er seine Sekretärin hinein und fotografierte den Prototyp erst einmal. Die Zeit bis zum Ausstellungsbeginn der IFMA reichte gerade noch aus, die drei Räder zu befestigen.
"Mopetta - eine Brütsch-Konstruktion für den kleinen Geldbeutel", hiess; der Slogan, und das Gedränge war gross, als das Volk die Mopetta sah, In Serie hergestellt, sollte es nur 750 Mark kosten, und Brütsch sprach sogar in den ersten Prospekten vom "schwimmenden Moped-Auto - zu Land und zu Wasser". Er hatte das kleine Dreirad hoch gestellt, damit es alle bewundern konnten und niemand merkte, dass sämtliche mechanischen Teile fehlten. Der Erfolg überraschte selbst den Stuttgarter, Aus vielen Ländern kamen Anfragen. Die Schweizer Zeitschrift "Der Motorreporter" jubelte: "Egon Brütsch ist zu Ergebnissen gelangt, die bei der kommenden IAA vom Publikum bestimmt nicht mehr übersehen werden können.
Nach der Ausstellung begann Prophet Brütsch erst einmal, seine Konstruktion fahrfertig zu machen. An der linken Seite brachte er außen einen 50-ccm-Motor an, mit Kickstarter und Ketten-Antrieb auf das linke Hinterrad. Wenn auch damals die Berliner "BZ" die Mopetta als "Miniatur-Motorboot" feierte, so mag die Schwimmfähigkeit zu diesem Zeitpunkt schon illusorisch gewesen sein. Denn der ausserhalb angebrachte Motor wäre nicht nur abgesoffen, sondern hätte mit seinem Gewicht die leichte Kunststoff- schale auch zum Kentern gebracht. "Da staunt der Fachmann", schrieb zur Fertigstellung im Mai 1957 die Zeitschrift "Roller, Mobil und Kleinwagen", "aber immerhin ist wirklich zu bewundern, mit welcher Zähigkeit Herr Brütsch an seinen Projekten arbeitet und es ihm gelingt, trotz aller Schwierigkeiten immer wieder etwas auf die Räder zu heben."