Egon Brütsch:
Unter den vielen Tüftlern, Bastlern und Ingenieuren, die sich in der Nachkriegszeit mit dem Thema Kleinwagen beschäftigten, nahm Egon Brütsch in Stuttgart eine Sonderstellung ein. Er musste nicht wie die meisten aus dem Nichts und unter primitiven Bedingungen seine Pläne verwirklichen, sondern war Spross einer wohlhabenden Industriellenfamilie, deren Erfolge auf der Herstellung von Damen- strümpfen basierten. So konnte es sich der junge Brütsch in den dreißiger Jahren leisten, seiner Leidenschaft, dem Rennsport, nachzugehen und verbuchte auf Motorrädern und auf Automobilen einige Erfolge. Auch nach dem Krieg war Egon Brütsch im Motorsport aktiv und kam auf die zwar naheliegende, aber in jenen Tagen ebenso unrealistische Idee, einen Maserati-Rennwagen in eigener Werkstatt als 2:1 Modell für Kinder reicher Eltern herstellen zu lassen.
Das Spielauto mit Fahrrad-hilfsmotor bot er für 750 Mark an, doch nur sehr wenige konnten damals ihrem Sprössling ein solches Geschenk unter den Weihnachtsbaum legen. Dies sah auch Brütsch bald ein und wandte sich der Entwicklung eines Fahrzeuges für Erwachsene zu. Erstes Brütsch-Auto wurde Ende 1950 ein noch sehr vom Rennsport inspirierter Einsitzer in Monoposto-Form mit Kotflügeln, dessen rechtes Hinterrad von einem NSU-125-ccm Einzylinder-Motor mit Fliehkraftkupplung angetrieben wurde, später kam ein Baumsägenmotor von Baker & Pölling zum Einsatz.
Dieser auf Sackkarrenreifen stehende, winzige Roadster ohne Verdeck war leider wieder am tatsächlichen Bedarf vorbeigebaut worden und verschwand schnell von der Bildfläche. Zweiter Versuch war ein "Modell T" oder "Eremit" genannter Einsitzer mit normaler, wenn auch zwergenhafter Pontonkarosserie in offener und geschlossener Version. Beide Wagen mit 125-ccm-ILO-Motor debutierten 1951 in Frankfurt, doch fand sich kein Lizenznehmer für die beiden hübschen, aber auch unpraktischen Autos, und Brütsch konnte oder wollte selbst keine Produktion finanzieren.